e-Mobilität: Energie und Umwelt (Artikel im Wochenblatt vom 6. Juni 2019)

Eines vorweg: motorisierte Mobilität ist NIE umwelt-„freundlich“. Wann immer wir Energie benötigen, schaden wir der Umwelt, und sei es durch die Herstellung des Motors für das e-Bike. Der Unterschied der Systeme liegt in der Quelle der Energie, sowie in der Nachhaltigkeit.

Benzin, Diesel oder auch Erdgas sind fossile Brennstoffe. Sie werden mit hohem Risiko und massiver Umweltverschmutzung gefördert: neben grossen Katastrophen wie dem Unfall auf der Bohrinsel Deep Water Horizon sind es vor allem undichte Bohrlöcher, schlecht gewartete Pipelines, illegales Anbohren und Abzapfen von Leitungen, die Grundwasser-Verschmutzung durch das Fracking oder schlicht mangelnde Sicherheitsstandards, die ganze Regionen wie das Nigerdelta auf Jahrzehnte vergiften und der einheimischen Bevölkerung die Lebensgrundlage entziehen. Zwar ist CO2 das aktuelle Mode-Thema, fossile Brennstoffe belasten jedoch schon auf dem Weg der Herstellung und anschliessend bei der Verbrennung nicht nur die Umwelt, sondern sehr direkt auch uns Menschen.

Vor allem: Benzin, Diesel oder Erdgas wird über die gesamte Lebenszeit des Motors immer wieder benötigt. Egal wie sparsam und „umweltfreundlich“ ein Fahrzeug fährt und hergestellt wird, es wird über seine gesamte Lebensdauer Brennstoff benötigen und Abgase erzeugen, die sich zudem nie wieder zurück in Erdöl recyclen lassen.

Batterien für e-Fahrzeuge bestehen ebenfalls aus Materialien, deren Gewinnung kritisch ist: die Lithium-Gewinnung in Chile zerstört Lebensgrundlagen und Umwelt, Kobalt wird im Kongo unter menschenverachtenden Bedingungen abgebaut.

Nur: die problematische Lithium- und Kobalt-Gewinnung gibt es schon seit Langem, uns allen war das bisher vollkommen egal, Hauptsache, Smartphones, Hörgeräte, e-Bikes usw. funktionieren einwandfrei.  Erst die Kritik am e-Auto sorgt endlich dafür, dass diese Missstände in die Schlagzeilen kommen, und vor allem: dass damit etwas dagegen getan wird. Es gibt immer mehr Hersteller, die Batterien mit wenig oder neu überhaupt keinem Kobalt einsetzen. Und Lithium, das es weltweit gibt, wird immer häufiger auch bei uns unter besseren Bedingungen erzeugt, z.B. in neuen Minen in Österreich und Spanien.

Die meisten Fahrzeughersteller garantieren für die Batterie mindestens 8 Jahre oder 160’000 km Lebensdauer, es fahren aber heute schon z.B. Tesla mit über 700’000 km und der ersten Batterie. Sinkt die Leistung der Batterie unter 70-80%, beginnt ihr zweites Leben als stationärer Speicher in Speicherkraftwerken oder Haus-Speichern. Erst danach, nach voraussichtlich 20 – 25 Jahren, ist sie nicht mehr verwendbar und wird recycelt. Das Recycling ist heute schon Standard, auch in der Schweiz gibt es Unternehmen wie die Batrec AG, die Batterien vom e-Bike bis zum Auto vollständig recyclen. Kobalt, Lithium und weitere Elemente werden also nicht einfach in die Umwelt geblasen, sondern können wieder in neuen Produkten eingesetzt werden. Neue Batterie-Fabriken wie Teslas Giga-Factory, aber auch erste Werke in Asien, setzen zudem schon für die Produktion auf saubere Energie aus Wind und Sonne.

Dazu kommt: selbst, wenn ein Elektrofahrzeug heute noch mit „dreckigem“ Strom geladen werden muss, in dem Moment, in dem die Stromerzeugung verbessert wird, werden auch alle davon versorgten Fahrzeuge sauberer. Der Bau der Batterie findet nur einmal statt, die Umweltbelastung im Betrieb kann, anders als beim Verbrenner, jederzeit optimiert werden.

Trotzdem: die sauberste Fortbewegung ist die zu Fuss oder mit dem Velo. Wer aber motorisiert fahren muss, sollte sich Gedanken über die Fortbewegung mit Elektroantrieben machen: E-Bikes, Bahn, Elektro-Auto. Denn nur Strom kann bei uns gewonnen werden (z.B. im Wasserkraftwerk Wasserfall in Laufen), Benzin, Diesel und Erdgas sind immer Import-Produkte mit unerwünschten Nebenwirkungen. Mehr dazu am 15. Juni in Laufen!